MoseMinistries: Ein geistlicher Auftrag

„Du geh und schicke deinen Bruder!“

MoseMinistries2011Vor einigen Monaten schrieb eine der führenden Tageszeitungen Indiens (The Hindu 28.08.2010) bezüglich der „ungewollten Töchter Indiens“ u.a. folgendes:

Indien ist eines der wenigen Länder in der Welt, das eine weit geringere Anzahl an Frauen und Mädchen aufweist, als Männer und Jungen (35 Millionen fehlende Frauen und Mädchen  in 2001): Ihr Anteil an der Bevölkerung des Landes hat im Laufe des letzten Jahrhunderts kontinuierlich abgenommen. …

Es ist besonders verwirrend und aller menschlichen Logik entgegengesetzt, dass heute der Trend offensichtlich dahin geht, dass vor allem  die Wohlhabenden und Gebildeten führend darin sind, ihre Töchter zu beseitigen…

Die Studie deckt eine Vielzahl von ‚Technologien’ auf, durch die vor allem kleine Mädchen vernichtet werden. Eine besonders grausige Version aus Morena (Distrikt im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh) ist die der „Motti Bhua“, eine Hebamme, die dazu abkommandiert wird, Mädchen kurz nach ihrer Geburt zu töten. Für gewöhnlich stellt sie dann ein Stuhlbein auf das Genick des Babys und setzt sich darauf, während sie sagt: „Du geh und schicke deinen Bruder“.

Seit über 17 Jahren besteht unser MoseMinistries Heim in Südindien (Tiruchy) mit 89 Mädchen, die ohne MoseMinistries wie viele andere ungewollte Töchter in Indien nicht überlebt hätten. Am Anfang dieser Arbeit stand ein klarer Auftrag Gottes, als Gemeinde und als Christen gegen dieses große Unrecht aufzustehen und durch Gebet und Tatkraft für diese verlorenen Töchter Indiens in den Riss zu treten. Dabei geht es mehr als nur um ein Heim und 89 Mädchen, die inzwischen zu jungen Frauen heranwachsen. Wir wissen, dass Gottes Anliegen eine viel weitere Dimension hat. Es geht um eine tiefgreifende Veränderung in der indischen Gesellschaft – das Böse, das sich auf so grausame Weise an den Töchtern Indiens vergreift, soll verbannt werden.

Der Ursprung der Ablehnung von Mädchen liegt in der hinduistischen Philosophie und Tradition. Dieses religiöse System integriert und  legalisiert Unterdrückung, Ablehnung und Vernichtung von Frauen und Mädchen im ganzen Land. In den letzten Jahrzehnten hat sich erwiesen, wie resistent, unanfechtbar, ja unbehelligt sich diese Tradition selbst gegen erlassene Gesetze durchsetzt! Denn es gibt sie, die Gesetze, die Gleichberechtigung zugestehen und sich eindeutig gegen Mitgift und Kinderheirat wenden – und sie werden doch ignoriert!

MoseMinistries2011Auch Bildung und Wohlstand halten den Trend zur schnellen Entledigung von Mädchen nicht auf. Im Gegenteil – waren früher die Gründe für die Vernichtung von Mädchen vor oder nach der Geburt existentieller Art, um Familien vor dem Ruin zu bewahren, so scheint der Mord an einem Mädchen heute offensichtlich zum allgemein anerkannten Recht einer Familie auf Prestige und Ansehen zu gehören.

Von Anfang an war der Aufbau von MoseMinistries ein Kampf, der sich auf verschiedenen Ebenen abspielte. Wir haben erlebt, wie auch innerhalb der Gemeinde Stimmen von Christen gegen diese Arbeit laut wurden und Befürchtungen ausgesprochen wurden: „Diese Mädchen werden der Gemeinde das Genick brechen.“ Solche Aussagen machen deutlich, was uns im Laufe der Jahre immer wieder klar wurde: Was mit Frauen und Mädchen in Indien geschieht, ist ein satanisches Werk. Es hat eine dämonische Dimension  - bis in die Gemeinde Jesu hinein. Bis heute gibt es nur wenige Versuche von Christen, gegen diese grausamen Auswüchse eines Gesellschaftssystems zu Felde zu ziehen und dagegen aufzustehen. Wo es solche Versuche gab, hatten diese nie weitreichende Folgen.

Auch wir sehen bis heute nicht die Ausweitung von MoseMinistries, die Gott uns aufs Herz gelegt hat. Trotz beständigem und intensivem Gebet stoßen wir ständig auf Mauern.

Vieles scheint offensichtlich ein „Ding der Unmöglichkeit“ zu sein. Die Gemeinde ist nicht mehr dagegen, dennoch bleibt bei vielen die Gleichgültigkeit. Wir sind dankbar für die Menschen, die Anteil an den Kindern und ihrem Schicksal nehmen. Aber es fehlt doch an umfassender Unterstützung. Bis heute kämpfen wir mit der Schwierigkeit, Mitarbeiter zu finden, die sich von ganzem Herzen und mit einer langfristigen Perspektive in die Mose-Mädchen investieren.

MoseMinistries2011Auch die Leitung des Heims konnten wir immer noch nicht beständig in vertrauens- und verantwortungsvolle Hände legen. Dies macht die Versorgungslage für Kinder und Mitarbeiter dauerhaft schwierig.  Der häufige Mitarbeiterwechsel und Mangel an Mitarbeitern ging nicht spurlos an den Mädchen vorüber und spiegelt sich in ihrem Verhalten und ihrer Persönlichkeitsentwicklung wider. Das wirft viele Fragen auf und entmutigt, vor allem dann, wenn wir an weitere MoseMinistries-Heime denken und an eine Ausweitung der Arbeit, die wir uns von ganzem Herzen wünschen.

Vor fünf Jahren konnten wir ein Team in den nördlichen Bundesstaat Rajasthan aussenden: Ihr Ziel war, ein MoseMinistries-Heim aufzubauen. Doch wir mussten damals miterleben, wie dieses Team zur Umkehr gezwungen wurde. Die Arbeit war vernichtet, bevor sie überhaupt richtig beginnen konnte.

Doch es war Gott, der uns diesen Auftrag damals gab und Sein Wille ist nicht zu stoppen. Deshalb wollen wir uns nicht bremsen lassen, doch es braucht Mut, Vertrauen und Glauben, sich immer wieder neu dafür zu entscheiden.

Immer wieder hat Gott uns auf die tieferen Ursachen aufmerksam gemacht und uns die Zusammenhänge aufgezeigt, in denen unser Ringen steht: Es geht um den Kampf, der um die Töchter Indiens tobt. Es geht nicht nur um ein gesellschaftliches, kulturell bedingtes Problem, sondern um ein System, das der „Durcheinanderbringer und Verführer“ der Menschheit selbst fest und scheinbar ‚unerschütterlich’ in diesem Land etabliert hat, um Generationen auszulöschen. Uneingeschränkt ‚herrscht’ es seit Generationen – und ist selbst in Gemeinden zu finden.

MoseMinistries2011Uns ist bewusst, dass wir in einen viel ernsteren Kampf eingetreten sind, als in das, was der normale Trubel unseres Alltags fordert. Deshalb wollen wir unsere Schwerpunkte immer wieder neu ausrichten – und zwar auf die geistliche Herausforderung, die uns mit unserem Heim gegeben ist.

Neben aller praktischen Versorgung unserer Kinder möchten wir uns noch einmal stärker als zuvor auf Gebet und Fürbitte konzentrieren und vor Gott um unsere Mädchen ringen! Wir wollen betend kämpfen - für unsere Kinder und all die anderen unerwünschten Töchter Indiens - und dabei nicht zurückweichen. Wir wollen uns nicht stoppen lassen, sondern glauben, dass Gott und seine Gerechtigkeit sich durchsetzen wird, weil sein Sieg fest steht.

Wir wissen, dass viele von euch mit Gebet und Unterstützung in die Mose-Kinder investiert haben und sind euch herzlich dankbar dafür!

Heute möchten wir euch erneut die verlorenen Töchter Indiens aufs Herz legen und euch bitten, für sie zu kämpfen. Betet mit uns, dass sich die Vision, die Gott uns einst gab, in ihrer ganzen Dimension erfüllt. Bahnt mit uns im Gebet und mit festem Glauben einen Weg für weitere Teams und neue MoseMinistries-Zweige. Betet mit uns für die Gemeinden in Indien, dass sie freigesetzt werden, in Liebe die Verantwortung für diese Generation von Mädchen in ihrem Land zu übernehmen.